Cola - Auf der Suche nach dem originalen Rezept

Eines muss ich zugeben: ich bin passionierter Cola-Trinker. Und zwar von Coca-Cola. Dabei gibt es jedoch einen Haken: Coke ist teuer. Gut, es gibt teurere Colas - aber bin ich nun sparsam, oder bin ich's? Also muss das Rezept mit dem "Original Taste" her.

In den 90ern hieß der Slogan von Coca-Cola - zumindest in Amerika - You "Can't Beat The Real Thing". Ganz schön selbstbewusst. Aber ich will's dennoch wissen.

Also ran an die Arbeit.

Fanta habe ich ja schon erfolgreich geklont. Aber ob dies bei Cola auch so einfach geht? Schauen wir uns also erstmal die Zutaten von Coca-Cola an:

Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, natürliches Aroma, Aroma Koffein.
Auf den ersten Blick alles ganz einfach:

  • Wasser: check
  • Zucker: check
  • Kohlensäure: check - einfach gesprudeltes Wasser nehmen
  • Farbstoff E150d: Hierbei handelt es sich um Zuckerkulör. Einfach gesagt: es ist verbrannter Zucker. Aber es gibt eine Schwierigkeit. Das "d" hinter der "150". Der Buchstabe gibt an, auf welche Weise der Zuckerkulör hergestellt wurde - hier unter Einsatz von Ammoniumsulfit. In Deutschland findet man fast nur E150c (hier wird Ammoniak als Reaktionsbeschleuniger verwendet). Dieser Zuckerkulör ist jedoch nicht so stark färbend als 150d.
  • Phosphorsäure: Diese ist der Grund, warum man Cola auch als Hausmittel verwenden kann. Alternativ könnte man auch leicht erhältliche Zitronensäure nehmen, was aber für den Geschmack nicht besonders zuträglich sein wird. Herausforderung wird also auch sein, für Lebensmittel geeignete Phosphorsäure zu finden.
  • Natürliches Aroma: Hm - hiermit kann alles gemeint sein. Auf dem Etikett wird zudem noch gesagt, es würde sich um "Pflanzenextrakte" handeln. OK, hier liegt das Geheimnis. Die anderen Dinge sind alle relativ leicht lösbar. Nun, wir werden sehen. Niemand hat gesagt, dass es einfach sein wird.
  • Koffein: Nicht ganz einfach zu bekommen (ich meine reines Koffein; bei eBay gibt es jedoch Händler, die reines Koffein anbieten). Zur Not könnte man auf Koffein-Tabletten zurückgreifen, allerdings sind in diesen zusätzlich noch Hilfsstoffe gebunden. Ob das dem Geschmack zuträglich ist? Bei der Verwendung von reinem Koffein ist jedoch Vorsicht geboten. Eine Überdosis kann auch ganz schnell zum Tode führen (ich empfehle das Sargmodell "Schneewittchen"). Man sollte also wissen, was man tut. Quellen besagen, dass in 100ml Cola üblicherweise 10 Milligramm Koffein enthalten sind, in manchen (z.B. Fritz-Cola) bis zu 25 mg.

Also, fangen wir mit dem Schwierigsten an: das natürliche Aroma.

Bei der Recherche bin ich auf ein Rezept (na ja, eigentlich sind's ja zwei) von Sebastian Lege gestoßen. Hier das YouTube-Video:

Sieht nicht schlecht aus - aber für größere Mengen nicht praktikabel.

Wer nach Cola-Rezepten sucht, findet sehr schnell das Rezept von Open Cola. Und hier wird klar, dass die Sache nicht so einfach wird:

  • Man benötigt eine Anzahl von ätherischen Ölen. Diese sind a) sehr teuer und b) benötigt man diese z.T. in sehr geringer Dosierung. Es lohnt sich also nur, wenn man größere Mengen Cola machen möchte. Wenn man die Sache nur mal ausprobieren möchte, muss man die kompletten Zutaten kaufen. Diese Kosten hat man dann, ob die Cola einem schmeckt oder nicht.
  • Die Herstellung einer Cola läuft in drei Schritten ab: erst macht man eine Cola-Essenz. Aus dieser mischt man sich Cola-Sirup. Und aus diesem wird dann schließlich die Cola gemixt. Vorteil: man kann die Essenz und den Sirup auf Vorrat machen und hat nur einmal eine Arbeit. Der Vorteil: jedes Produkt (die Essenz und der Sirup) sind Monate - wenn nicht sogar Jahre - haltbar, sodass man die komplizierten Schritte selten machen muss und dann die Cola nach und nach trinken kann.

In England haben sich die Leute vom Cube Cinema in Bristol an Open Cola herangetraut und das Rezept etwas abgeändert. Dort habe ich zu Versuchszwecken ein Fläschchen Cola-Essenz (56ml) bestellt und ausprobiert. Aus dieser kleinen Menge habe ich 14 Liter Cola gemacht und in Flaschen abgefüllt.

Mein Eindruck - so schmeckt eine Cube-Cola

Die Cube schmeckt eindeutig wie Cola - allerdings nicht wie Coca-Cola. Mir jedenfalls schmeckt sie (sogar etwas besser als Coca-Cola; die 14 Liter waren in anderthalb Wochen weg). Wenn ich also Cola nach der Cube-Rezeptur herstelle, dann mache ich nichts falsch. Aber trotzdem will ich ja den Coca-Cola-Geschmack nachbilden.

Also: Die Cube-Cola schmeckt lecker, hat den typischen Cola-Geschmack, aber nicht den typischen Coca-Cola-Geschmack. Dies könnte eventuell daran liegen, dass in der Cube Zitronensäure verwendet wird - anstatt Phosphorsäure. Phosphorsäure trägt nämlich nicht unerheblich zum Cola-Geschmack bei.

Nun ist Phosphorsäure in Lebensmittelqualität gar nicht so einfach zu bekommen. Man findet zwar viele günstige Angebote auf Amazon, jedoch hauptsächlich in technischer Qualität - z.B. als Rostlöser. Ehrlich gesagt - das möchte ich mir nicht in die Cola mischen. Glücklicherweise bin ich bei Brouwland - ein belgischer Händler für Brauereibedarf - auf Phosphorsäure in Lebensmittelqualität gestoßen. Na also!

Jetzt brauche ich nur noch etwas, um die sehr geringen Mengen der ätherischen Öle abzumessen. Hierzu verwende ich Spitzen, mit denen ich auch sehr kleine Mengen abmessen kann. Da sich die ätherischen Öle nicht gut mit Plastik verstehen, ist es sehr wichtig, das die Spritzen aus PET hergestellt sind. Andere Plastikarten werden ruck-zuck angegriffen. Und das wollen wir ja nicht. Also: Spritzen aus PET.

Einkaufsliste

Utensilien

Zutaten: Aroma-Essenz

und

Zutaten: Cola-Essenz

Cola-Sirup

  • 65 ml Cola-Essenz (wie vor)
  • 1,5 kg Zucker
  • 750 ml Wasser

und endlich: die Cola

  • 125 ml Cola-Sirup (wie vor)
  • 875 ml Wasser

Ja, ich geb's zu: es wird ein ganzer Haufen Dinge benötigt. Aber aus den ca. 100 ml Aroma-Essenz bekommst du am Ende 140 Liter Cola. Ich habe die Zutaten so bemessen, dass die Aroma-Essenz einfach zu dosieren ist. Da die Essenz Monate/Jahre haltbar ist, kannst du auch gleich die fünf- oder zehnfache Menge herstellen.

Zubereitung

Jetzt geht's an die Praxis. Fangen wir mit der Geschmacks-Essenz an:
  1. Messe die ätherischen Öle ab und gib sie in ein Gefäß aus Glas. Plastik ist ungünstig, da alles außer PET von den Ölen weggeätzt wird.
  2. Gib das Wasser für die Aroma-Essenz und das Gummi Arabicum in ein Glas und vermische es gründlich - mit einem Rührgerät auf höchster Stufe oder mit einem Stabmixer (dieser sollte komplett aus Metall sein).
  3. Nun gib die ätherischen Öle nach und nach in kleinen Mengen dazu, während du das Gemisch weiterhin auf höchster Stufe mischt.
  4. Mixe alles für ca. 15 Minuten. Das ist wichtig, damit das Öl in extrem kleine Tröpfchen geteilt wird, die von dem Gummi Arabicum gehalten werden können. Ansonsten ist es später praktisch unmöglich, die Essenz mit dem Wasser zu vermischen - Öl hat ja die Eigenschaft, dass es sich sonst wieder vom Wasser trennt.
  5. Hatte ich erwähnt, dass der Stabmixer, der mit dem Gemisch in Kontakt kommt, aus Metall sein muss? Falls dessen Fuß aus Plastik ist, findest du dann später Teile dessen in der Cola wieder - und das wollen wir ja nicht.
So, das war das Schwierigste und Aufwendigste an der ganzen Sache. Glücklicherweise reicht die Geschmacks-Essenz für ganze 140 Liter Cola.

Aber machen wir weiter mit der Cola-Essenz:

  1. Nimm ein Zehntel der Geschmacks-Essenz und mische diese mit dem Zuckerkulör, der Phosphorsäure, dem Koffein und dem Wasser.
  2. Du kannst auch die komplette Geschmacks-Essenz nehmen. Dann nimm einfach die zehnfache Menge der anderen Zutaten.
  3. Alles gut mischen und entweder direkt verwenden oder in eine Flasche abfüllen (gut beschriften, da die enthaltene Koffein-Dosis deiner Gesundheit nicht gerade zuträglich sein wird (gelinde gesagt).
Mit der Cola-Essenz kannst du dann den Sirup herstellen:
  1. Gib den Zucker und das Wasser in einen Topf und erhitze es. Zucker löst sich nämlich besser in wärmerem Wasser.
  2. Lass den Zuckersirup abkühlen und gib dann die Cola-Essenz hinzu. Gut vermischen.
  3. Dann kannst du alles in Flaschen abfüllen.
Den Sirup kannst du dann bei Bedarf 1:7 mit Sprudelwasser vermischen. Also 1 Teil Sirup plus 7 Teile Wasser. Fertig ist die Cola.

Ich für meinen Teil mische mir gleich 19 Liter Cola in einem KEG, karbonisiere das Ganze und fülle die Cola dann in 0,33-Liter-Flaschen ab. Dazu aber demnächst mehr.

Und, wie schmeckt sie dir?

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