Aktien - Geldanlage oder Glücksspiel?

Was habe ich alles über Aktien schon gehört: Casino, Glückspiel, Abzocke, nur der Anlageberater würde dabei verdienen.

Doch die Wahrheit ist: ob die Investition in Aktien nun eine seriöse Geldanlage ist oder Glücksspiel, das hängt zu einem großen Teil davon ab, ob man sich auskennt und welcher Anlegertyp man ist.

Es gibt nämlich folgende Arten von Anlegern. Insgesamt komme ich auf 5 Gruppen:Gruppe 1: Anleger, die sich mit Aktien auskennen und in Aktien investieren. Und die dann gute, solide Gewinne erzielen.Gruppe 2 bis 5: Anleger, die sich nicht mit Aktien auskennen. Diese untergliedern sich in folgende Gruppen:Gruppe 2 und 3: Anleger, die sich nicht mit Aktien auskennen, aber denken, sie würden sich auskennen.Gruppe 4 und 5: Anleger, die sich nicht mit Aktien auskennen, dies aber wissen.

Schauen wir uns mal die Anlegergruppen nacheinander an:Gruppe 1: Diese Gruppe ist in Deutschland in der Minderheit und hat in der Regel auch Aktien im Depot. Da diese Menschen wissen, was eine Aktie ist, wie Börsen funktionieren, wie man Unternehmen bewertet und wie man eine Anlagestrategie anwendet, machen diese Menschen auch allermeist Gewinn mit ihren Investitionen.

Allen folgenden Gruppen ist nun gemein, dass sie sich nicht mit Aktien auskennen.

Menschen der Gruppe 2 denken jedoch, sie würden sich auskennen. Da sie wissen, dass man an der Börse Geld verlieren kann und die „Großen“ ja auch nur an der Börse zocken und am Ende der Steuerzahler die Verluste übernehmen muss, sind sie der Meinung: Aktien sind nichts für Anleger und am Besten gehört das Ganze verboten!

Auch Menschen der Gruppe 3 denken, sie würden sich auskennen, da sie in irgendwelchen Youtube-Videos gelernt haben wie einfach man an das große Geld kommt. Ist doch ganz einfach. Man kauft Aktien, wenn die Kurse niedrig sind und verkauft dann, wenn die Kurse hoch sind. Den Wert eines Unternehmens analysieren? Viel zu kompliziert, außerdem war man in Mathe noch nie gut. Diese Gruppe von Menschen „investiert“ in Wirklichkeit ihr Geld nicht viel anders als im Casino (nur, dass in der Wirtschaft die Gewinnchancen etwas höher sind als bei Glückspielen). Diese Gruppe ist der Meinung, dass man mit Aktien schnell reich werden kann.

Menschen der Gruppe 4 wissen, dass Sie keine Ahnung von der Planung haben und kaufen demzufolge auch keine Aktien.

Und Menschen der Gruppe 5 beauftragen aus dem gleichen Grund einen Anlageberater, was aber auch nicht immer das das Gelbe vom Ei ist.

Mir als Ex-Bänker sind die Gruppen 1 und 4 am sympathischsten (als aktiver Bänker wäre mir natürlich Gruppe 5 am liebsten). Alle anderen Gruppen handeln in Bezug auf Aktien völlig irrational und verlieren zum Teil viel Geld.

Nun ist es tatsächlich so, dass man den Kauf von Aktien als Glücksspiel betreiben kann. Nämlich dann, wenn man einfach blind kauft. Dann steigen die Kurse entweder oder sie fallen. Man erwischt den richtigen Einstiegspunkt oder nicht. Glücksspiel eben.

Man kann aber auch Unternehmen vorher analysieren. So kann man ermitteln, ob ein die Anteile des Unternehmens gerade günstig oder teuer sind. Wie das geht, werde ich bei Gelegenheit in einem anderen Artikel genauer darlegen. Jedenfalls muss man hierbei wissen, wie so etwas geht, wo man die nötigen Informationen bekommt. Und dann bedeutet dies natürlich auch einiges an Aufwand.

Oder man beauftragt jemand, der sich mit so etwas auskennt. Vorhin hatte ich ja schon etwas zu Anlageberatern gesagt. Ist halt immer so eine Sache. Man kann nie sicher sein, ob dessen Empfehlungen nun gut für seinen oder meinen Geldbeutel sind.

Nun gibt es jedoch die Möglichkeit, in einen Fonds zu investieren (nein, nicht in einen Fond - damit arbeiten nur Köche). Ein Aktien-Fonds funktioniert so: viele Anleger zahlen Geld in einen Topf ein und Profis kaufen damit Aktien. Dies hat zwei Vorteile:

- erstens wird ihr Geld von Profis angelegt
- zweitens wird das Risiko auf mehrere Aktien verteilt

Der erste Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen, hat aber auch einen gravierenden Nachteil: Die Verwaltungsgebühr. Der Profi macht das Ganze ja nicht aus Mildtätigkeit. Und so wird vom Fondsvermögen Jahr für Jahr ein bestimmter Prozentsatz einbehalten (zusammen mit der Performance-Gebühr kommt man im Durchschnitt oft auf 1,6 % - jedes Jahr).

Der zweite Vorteil ist das gestreute Risiko. Setzt man alles auf eine Karte, dann kann man, wenn es günstig läuft, viel gewinnen. Auf der anderen Seite kann man aber auch viel verlieren. Hat man man sein Geld gestreut, dann ist also auch das Risiko begrenzt.

Wie vorhin schon gesagt: der Nachteil ist, dass die Fondsgesellschaften sich den Service natürlich gut bezahlen lassen. Nun gibt es jedoch auch Indexfonds (manchmal werden diese auch ETF genannt, wobei Indexfonds meistens ETFs sind, aber ein ETF ist nicht immer in Indexfonds). Indexfonds bilden mit den Einlagen einen bestimmten Aktien-Index nach, z.B. den DAX. Da im DAX Unternehmen verschiedener Branchen vertreten sind, ist dann auch automatisch das Risiko gestreut.

Der Unterschied zu einem normalen Aktienfonds ist, dass es für die Fondsgesellschaft fast keine Arbeit macht, in die Unternehmen des betreffenden Indexes zu investieren. Somit ist die Verwaltungsgebühr extrem niedrig (die Spanne reicht von 0,05 % bis 0,75 % pro Jahr).

Dies wäre also meine Empfehlung für Leute, die keine Ahnung von Aktien haben aber dennoch von der Wertentwicklung der Aktiengesellschaften profitieren möchte.

Nachdem wir nun einen Risikofaktor (nicht alles auf eine Karte setzen) eliminiert haben, wenden wir uns nun zu einem weiteren Risiko zu - die Wahl des richtigen Zeitpunkts.

Rückblickend ist immer alles so klar: Hätte man in der Talsohle gekauft und oben auf der Spitze verkauft, dann hätte man extremen Gewinn eingesackt. Aber so einfach sind die Dinge in der Realität nicht. Denn: woher weiß man eigentlich, ob man nun die Talsohle erreicht hat? Woher weiß man später, dass nun der Gipfel erreicht wurde? Das sind einfach Dinge, die man im voraus nicht wissen kann. Damit kann man praktisch niemals den optimalen Kauf-/Verkauf-Zeitpunkt wissen.

Daher ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden, wenn man einmalig einen bestimmten Betrag anlegen möchte. Egal, was man macht, es kann immer falsch sein.

Regelmäßige Käufe von Aktien haben den Vorteil, dass man die Aktien rückblickend zu einem Durchschnitts erworben hat. Und noch besser: Wenn man immer gleichbleibende Beträge anlegt, dann stellt man fest, dass bei niedrigen Kosten mehr Aktien gekauft wurden als zu höheren Kosten. Diesen Effekt nennt man Durchschnittskosteneffekt. Hier ein kleines Beispiel mit an den Haaren herbeigezogenen aber dafür leicht verständlichen Beträgen:

Jemand legt 1000 Euro in Aktien an:

* beim ersten Mal ist der Kurs bei 50 Euro. Er kauft also 20 Aktien.
* beim zweiten Mal ist der Kus bei 100 Euro. Er kauft also 10 Aktien.

Auf den ersten Blick könnte man nun vermuten, der Durchschnitts-Kauf-Kurs würde bei 75 Euro liegen. Aber weit gefehlt.

Dieser gewisse Jemand hat 2000 Euro ausgegeben und dafür 30 Aktien erhalten. Pro Aktie hat er also 66,67 Euro ausgegeben - nicht 75 Euro. Ein kleiner Unterschied, gell?

Dieser Effekt stellt sich aber nur dann ein, wenn man regelmäßig Aktien kauft.

Gerade weil Aktienmärkte immer schwanken, ist dies eine Strategie, die das Risiko weitgehend minimiert. Man kauft Aktien, wenn sie billig sind, man kauft Aktien wenn sie teuer sind und dazwischen auch.

Man kann also das Risiko fast komplett eliminieren, indem man

* seine Beträge streut, also nicht alles auf eine Karte setzt.

* regelmäßig Aktien kauft.

Ich habe die Neuer-Markt-Euphorie Ende der 90er-Jahre selbst miterlebt. Wo Firmen an die Börse gegangen sind und Anleger ihnen das Geld hinterher geworfen haben. Eine Firma musste nur sagen „wir machen was mit Internet“ und die Anleger waren sofort Feuer und Flamme. Womit die Firma genau Gewinn machen wollte, das hat niemanden interessiert.

Die Kurse stiegen damals tatsächlich dramatisch (vor allem bei den Wir-machen-was-mit-Internet-Firmen). Und das über mehrere Monate und Jahre. Und wer hat Aktien gekauft wie blöd? Es waren Menschen der Gruppe 3.

Gruppe-1-Menschen haben sich die Firmen angeschaut und gezielt gekauft.

Der Neue Markt ist dann in 2000 schneller zusammengebrochen als ein platzender Luftballon in Zeitraffer. Geblieben ist aber das Internet und Firmen, die wirklich etwas auf’m Kasten hatten.

Auch die seriösen, langweiligen Unternehmen, die im DAX verzeichnet waren, litten unter dem Crash, konnten sich aber in der Folge wieder erholen. Aus heutiger Sicht hätte man sogar auf dem Höhepunkt einsteigen können und wäre heute trotzdem deutlich im Plus. (Hinweis: Indexfonds sind in Deutschland erst seit 1998 erlaubt, früher hätte man also mit normalen teuren Aktienfonds sein Risiko streuen müssen).

Daher: Risiko streuen - nicht alles auf eine Karte und Beträge regelmäßig investieren. Dann klappt’s auch mit Aktien.

Trotzdem sollte man immer auch einen kleinen Puffer in Form von Fest-/Tagesgeld haben. Nicht dass man in einer Notlage Aktien gerade dann verkaufen muss, wenn wenn es eigentlich Zeit zu zum Kaufen ist.

Nun habe ich geschrieben, wie man das Risiko bei Aktien weitgehend eliminieren kann. Damit ist aber immer noch nicht geklärt, ob es sich nun um Glücksspiel handelt oder um Geldanlage.

Bei einem Glückspiel gibt man jemanden Geld, der dann etwas einbehält und den Rest wieder ausschüttet. Beim Lotto wird von vornherein nur 50% wieder ausgeschüttet. Die restlichen 50% behält die Lotto-Gesellschaft.

Bei Aktien gibt man sein Geld wem? Der Aktiengesellschaft? Nein. OK, bei einem Börsengang schon, aber im Normalfall kauft man Aktien an der Börse. Das heißt, man kauft die Aktie von jemand, der diese Aktie bisher besessen hat. Für sein Geld erhält man also Aktien, also Anteile an einem Unternehmen. Damit hat man auch Anspruch auf den Gewinn des Unternehmens. Und je mehr Gewinne eine Firma macht, umso mehr Menschen möchten daran teilhaben, was dann den Kurs an der Börse erhöht (Angebot und Nachfrage).

Bei Glückspielen entscheidet der Zufall, ob man etwas ausgezahlt bekommt. Bei Aktien entscheidet der Erfolg des Unternehmens, was mit Zufall nicht viel zu tun hat. Sonst wäre es ja auch Glückspiel, wenn eine Bank einem Optiker einen Kredit gibt, damit dieser sein Ladenlokal eröffnen kann.

Interessanterweise ist es meistens so, dass Menschen, die der Meinung sind, die Unternehmen würden immer mehr Geld scheffeln (was ja auch stimmt) gleichzeitig auch denken, dass Aktien Glückspiel wären. Allerdings schließen sich beide Ansichten aus. Wenn die Unternehmen immer mehr Geld scheffeln, dann wäre es doch ein Muss, Aktien davon zu kaufen?

Natürlich gibt es immer ein Restrisiko. Eine Firma kann pleite gehen. Genauso wie ein Angestellter entlassen werden kann. Genauso wie ein voll ausgebildeter Mensch arbeitslos sein kann. Aber das hat mit Glücksspiel nichts zu tun - oder ist es doch so wie in dem Lied: "Das ganze Leben ist ein Quiz - und wir sind nur die Kanditaten".

Was halten Sie von Aktien? Zu welcher Gruppe würden Sie sich zählen?

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