Mein Kollege hat damit gute Erfahrungen gemacht

Immer mal wieder treffe ich auf Leute, die irgend einen Sparvertrag abgeschlossen haben, der von Kollegen, Freunden oder Verwandten empfohlen wurde. Manchmal handelt es sich um irgendwelche Anlageformen, wo selbst einem Fachmann nicht ganz klar ist, wo denn die Gewinne herkommen sollen. Aber der Reihe nach.

Jeder, der mindestens ein bisschen sparsam lebt, hat etwas Geld übrig, das er gut anlegen möchte. Und so trifft man dann auf Zeitgenossen, die eine gewisse Anlageform empfehlen. Gefährlich wird's dann, wenn man diese Menschen kennt und ihnen vertraut.

Nehmen wir mal folgendes Szenario. Ein Maurer, der auf dem Bau arbeitet kommt mit seinem Kollegen ins Gespräch, mit dem er auch befreundet ist. Als das Gespräch auf das Thema Geld kommt, erwähnt der besagte Kollege, dass er einen gewissen Sparvertrag abgeschlossen hat und er damit bisher gute Erfahrungen gemacht hat.

Nun ist sein Kollege kein Bänker, aber er sagt, er hat gute Erfahrungen gemacht. Reicht dies aus, um zu beurteilen, ob es sich um eine gute Anlagemöglichkeit handelt?

Natürlich ist der Kollege vertrauenswürdig. Er hat bisher gute Erfahren gemacht. Nur (und darauf kommt es jetzt an): Um was handelt es sich den bei dieser Anlageform? Versteht man, um was es geht? Worauf basieren die guten Erfahrungen?

Die Masterfrage bei einer Geldanlage ist immer die: womit wird denn der Ertrag erwirtschaftet? Früher, als man sein Geld noch bei den Banken anlegen konnte und dort eine anständige Verzinsung bekam, da war der Fall noch einfach: Die Bank nimmt Geld von Anlegern an und zahlt Ihnen Zinsen. Dieses Geld verleiht sie an andere Kunden und verlangt von ihnen höhere Zinsen. Aus der Differenz macht die Bank Gewinn und lebt davon.

Jetzt mag man vielleicht Aktien empfohlen bekommen. Versteht man aber jetzt hier, wie bei Aktien die Gewinne entstehen? Viele verstehen dies nicht und halten die Geldanlage in Aktien für bloße Zockerei. Andere wiederum sind der Meinung, an Aktien führt kein Weg vorbei. Ich gehöre eher zur letzten Gruppe, aber ich bin auch Bänker und verstehe einigermaßen etwas von der Materie. So weiß ich, dass man mit Aktien zocken kann, man kann aber auch sein Geld seriös anlegen. Es kommt hier also auf die Vorgehensweise an.

Wenn man also eine Anlageform nicht versteht, sollte man lieber einen Bogen darum machen - ansonsten kann es ins Geld gehen.

Auch eine beliebte Form der Geldanlage (oder sollte ich sagen: Abzocke) sind/waren irgendwelche dubiose Verträge, die anhand komischer verschachtelter Firmenkonstrukte darauf angelegt sind, Steuern zu sparen und daraus die Erträge zu erwirtschaften. Ich hatte schon mehrmals Fälle in der Bekanntschaft, wo jemand sein Geld in solche Konstrukte gesteckt hat und am Ende gingen die Firmen Konkurs.

Der Punkt ist der: Angenommen, ich verspreche Ihnen eine Verzinsung von 10% pro Jahr. Sie geben mir 1.000 Euro. Ich sende Ihnen nach einem Jahr einen Auszug, dass ich Ihnen 1.100 Euro schulde. Sie freuen sich. Ein Jahr später sende ich Ihnen wieder einen Auszug, dass ich Ihnen 1.210 Euro schulde. Sie freuen sich wieder. Und empfehlen Ihrem Arbeitskollen, sein Geld ebenfalls bei mir anzulegen. Sie haben gute Erfahrungen gemacht.

Was ist aber in der Zwischenzeit passiert? Ich habe Ihr Geld in irgendwelche riskanten Projekte gesteckt, die allesamt den Bach runter gingen. Aber das sage ich Ihnen nicht. Da ich ja nicht verhungern möchte, sende ich Ihnen weiter fleißig Auszüge, damit Sie weiteres Geld investieren und Ihre Kollegen dies auch tun.

Aber irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit, nämlich dann, wenn die "Kunden" Ihr Geld ausgezahlt bekommen möchten. Dann komme ich ins Gefängnis, was Ihnen jedoch nicht weiterhilft - denn Ihr Geld ist weg.

Gut, dass dies nur ein Fallbeispiel zum Verständnis war. Ich werde niemals von Ihnen Geld annehmen. In der Rubrik "Geldanlage" werde ich jedoch den einen oder anderen Tipp eines (Ex-)Bänkers geben, damit Sie selber in der Lage sind, gewisse Anlageformen zu Verstehen und die Chancen und Risiken einzuordnen.

Das war jetzt der erste Punkt: Verstehe ich, wie die Gewinne zustande kommen?

Jetzt gibt es verschiedene Anlageformen, die rückblickend gar nicht schlecht waren. Hätte man vor 10 Jahren in Frankfurt Immobilien gekauft, hätte man einen guten Schnitt gemacht. Also gute Erfahrungen. Heißt dies, dass Immobilien in Frankfurt heute immer noch eine lukrative Anlage sind?

Nun, auch Fachleute können keine eindeutige Antwort geben. Es hängt alles mit dem Angebot und der Nachfrage zusammen. Vor wenige Jahren war ich noch der Meinung, dass es zu einem Crash am Immobilienmarkt kommen wird. Es wurde immer mehr gebaut, während die Bevölkerungszahlen rückläufig waren. Mehr Angebot und weniger Nachfrage. Mittelfristig hätten die Preise zurückgehen müssen. Dann kamen die Krisen in mehreren Ländern und dadurch viele Flüchtlinge, die in Deutschland Zuflucht suchten. Auf einmal waren Wohnungen gefragt wie nie.

Es gab also ein unerwartetes Ereignis, das auf den Immobilienmarkt Einfluss genommen hat. Jetzt, da am Wohnungsmarkt eine Knappheit herrscht (und gleichzeitig die Zinsen niedrig sind), wird natürlich wie wild gebaut. Was aber, wenn in einigen Länder Frieden einkehrt und viele Flüchtlinge wieder dorthin zurück gehen?

Also halten wir fest: Eine Anlage, die in der Vergangenheit gut war, muss nicht unbedingt zum jetzigen Zeitpunkt immer noch gut sein. Aber es heißt natürlich auch nicht unbedingt, dass die Anlageform jetzt schlecht ist.

Und dann ist noch eins zu berücksichtigen. Auch wenn man versteht, um was es geht und es sich um ein seriöses Angebot handelt und man auch vom Erfolg überzeugt ist: Man sollte trotzdem Angebote vergleichen.

Früher war es in Mode, Kapitallebensversicherungen abzuschließen. Da kam dann ein Vertreter (oder ein Freund, der angeworben war) und rechnet einem vor, wie viel Wert die Versicherung nach 40 Jahren hat. Und Überraschung: man bekommt mehr raus, als man eingezahlt hat. Klasse, sofort unterschreiben!

Halt: eine andere Gesellschaft hätte vielleicht ein besseres Angebot in petto. Nur, wer nicht vergleicht, bekommt dies niemals mit. Gerade bei längerfristigen Sachen ist es extrem wichtig, Angebote zu vergleichen.

Kapitallebensversicherungen werden heute praktisch nicht mehr verkauft. Heute dreht sich alles um Aktien, Fonds, Crowd-Funding, Krypto-Währungen. Ich sage nur: Augen auf und nachdenken.

Also, ich kenne einige Leute, die einen schlechten Griff gemacht haben mit unseriösen Anlageformen. Man sollte also genau untersuchen, um was es sich genau handelt. Erst wenn man es versteht, ist man auch in der Lage eine Entscheidung zu treffen. Und es schadet auch nie, mal jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Und zwar bevor man etwas abschließt.

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