Keine Angst vor Aktien: Das Risiko senken

Der Hauptgrund, warum viele Angst vor Aktien haben ist ganz einfach der, dass man mit Aktien Geld verlieren kann. Tatsächlich geht es an der Börse auf und ab - und da legt man sein Geld eben weiterhin bei der Bank an, selbst wenn es praktisch keine Zinsen mehr gibt.

Eins ist klar: wenn man einfach blind Aktien kauft, dann gibts zwei Möglichkeiten. Entweder man gewinnt oder man verliert. In etwa so wie bei einer Lotterie. Nur mit wesentlich besseren Chancen. Weil Unternehmen im Regelfall ja Gewinne einfahren.

Trotzdem ist das Risiko da.

Es gibt aber etliche Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren. Welche? Lies weiter.

Tipp #1: regelmäßig Aktien kaufen

Aktien muss man billig kaufen und dann später wieder teuer verkaufen. Wenn du auf einen Chart einer beliebigen Aktie schaust, dann kannst du im Rückblick sehen, wann diese Zeitpunkte gewesen wären.

Im Rückblick!

Und das ist das Problem: Im Rückblick sieht die Sache so einfach aus. Man hätte einfach kaufen müssen, als der Kurs unten war und dann bei hohen Kursen wieder verkaufen. Und dann erneut kaufen, wenn der Kurs mal wieder einbrach. Klingt doch easy, oder?

Wenn man jedoch vor der Frage steht: "Soll ich jetzt kaufen?" - dann wird's schwierig. Weil man ja nicht voraussehen kann, wie sich die Aktie entwickelt. Fällt die Aktie nach dem Kauf? Oder steigt sie? Tja.

Und deswegen ist es eine gute Idee, Aktien regelmäßig zu kaufen. Warum?

Weil man dann nämlich zu Durchschnittskursen kauft.

Ein Aktienkurs verändert sich ja im Laufe der Zeit. Nichts neues, oder? Kauft man nur einmalig, dann hat man das Risiko, dass man teuer kauft (aber auch die Chance, dass man gerade ein Schnäppchen macht). Kauft man aber regelmäßig, dann kauft man im Laufe der Zeit mal teuer, mal billig. Man kauft zu Durchschnittspreisen.

Aber es kommt sogar noch besser!

Wenn du regelmäßig immer den gleichen Betrag anlegst, dann profitierst du vom Durchschnittskosten-Effekt (engl. Cost Average Effect). Mit anderen Worten: weil du bei günstigen Aktienkursen mehr Aktien fürs gleiche Geld bekommst, kaufst du automatisch mehr, wenn die Kurse unten sind und weniger, wenn die Kurse hoch sind. Und das senkt den durchschnittlichen Kaufpreis pro Aktie.

Schauen wir uns das mal am Beispiel einer fiktiven Aktie an. Hier ist der Chart:

Durchschnittskurs

Der Durchschnittskurs liegt bei 21,20 Euro. Das merken wir uns mal für später.

Und jetzt gehen wir die Sache mal Schritt für Schritt durch. Angenommen, du würdest zu jedem Termin für 100 Euro Aktien kaufen. Ja, ich weiß: 100 Euro sind für einen Aktienkauf sehr wenig - das lohnt sich nicht, wegen den Gebühren. Aber nur mal, damit man den Effekt sieht:

Durchschnittskosteneffekt

Du hast jetzt also 1481 Euro ausgegeben und dafür am Ende 72 Aktien bekommen. Nach Adam Ries(e) hast du also nur 20,57 Euro pro Aktie bezahlt 63 Cent weniger als der vorhin berechnete Durchschnittskurs. Weil du eben nur 3 oder 4 Aktien gekauft hast, als der Kurs hoch war und bis zu 7 Aktien, wenn der Kurs niedrig war.

Also halten wir fest: Regelmäßig kaufen und du kaufst zu Durchschnittspreisen.

Tipp #2: Diversifikation

Alles auf eine Karte?

Kann funktionieren - oder böse in die Hose gehen. Hätte ich 1996 mein ganzes Geld in Apple-Aktien gesteckt - ich wäre heute steinreich. Hätte ich damals das Geld in General Motors investiert - ich wäre heute so dermaßen pleite, dass ich mir nicht mal mehr die Buchstaben von diesem Artikel leisten könnte.

Obwohl Unternehmen im Regelfall Gewinne einfahren; ab und zu kommt es doch mal vor, dass eine Firma pleite geht. Wenn du dann dein ganzes Geld ausgerechnet in dieses Unternehmen gesteckt hast, dann siehst du alt aus - älter als dein Uropa.

Also: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Kaufe Aktien verschiedener Unternehmen.

Und noch besser: Streue dein Geld auch auf Unternehmen verschiedener Branchen. Wenn es einer Branche mal schlecht geht, kann es in anderen Branchen viel besser aussehen.

Tipp #3: Risikopuffer einplanen

Ausgerechnet dann, wenn die Kurse so schön niedrig sind (und du eigentlich kaufen solltest), benötigst du dringend Geld. Vielleicht weil du dein Auto zu Schrott gefahren hast, oder die Waschmaschine das Wasser nicht mehr halten kann.

Wenn du einen angemessenen Risikopuffer behältst, dann kannst du viel ruhiger schlafen, auch wenn die Kurse mal einbrechen. Denn das tun die Kurse hin und wieder.

Hier mal der Chart vom Deutschen Aktienindex (DAX) von 1988 bis 2019:

DAX

Es gibt also immer mal Rückschläge. Und sogar richtig heftige. Als die Dotcom-Blase platzte, konnte man gut 80% verlieren - selbst wenn man sein Geld in DAX-Unternehmen investiert hatte.

Langfristig sieht die Sache trotzdem sehr gut aus, wenn man nicht gezwungen ist, ausgerechnet im Tief zu verkaufen. Und das muss man nicht, wenn man einen angemessenen Risikopuffer hat, den man im Notfall anzapfen kann.

Tipp #4: Unternehmen bewerten

Allmählich kommen wir jetzt zu den Tipps, die ein bisschen Sachverstand erfordern. Fangen wir an mit der Bewertung von Unternehmen. Dies ist ein weitreichendes Feld - ich werde mich hier nur auf einen groben Überblick beschränken. Einzelne Kennzahlen werde ich später detaillierter in anderen Artikeln erläutern.

Also, um ein Unternehmen einschätzen zu können, interessieren mich vor allem zwei Dinge:

  • Wie steht das Unternehmen momentan da?
  • Wie bewerte ich die Zukunftschancen?

Wie steht das Unternehmen momentan da?

Hierzu ziehe ich gewisse Kennzahlen für die Bewertung heran.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV berechnet man ganz einfach mit folgender Formel:

KGV = aktueller Kurs / Gewinn pro Jahr je Aktie

Also, nehmen wir mal an, die Kagevau AG hat in den letzten 12 Monaten einen Gewinn gemacht in Höhe von 5 Euro pro Aktie. Der Kurs notiert derzeit bei 80 Euro. Dann rechnen wir mal: 80 geteilt durch 5 ist gleich 16.

Das KGV der Kagevau AG ist also 16.

Schön und gut - aber was bedeutet das?

Nun, je niedriger diese Zahl ist, umso billiger ist das Unternehmen. Und je höher die Zahl, umso teurer das Unternehmen.

Wenn du den Kehrwert des KGV nimmst, dann erhältst du die Gewinnrendite. Was, du weißt nicht mehr, was ein Kehrwert ist? Na ja, der Mathe-Unterricht ist ja schon ein paar Jahre her. Also gut, du erhältst den Kehrwert, wenn du eins durch den Wert teilst.

Hier die Formel(n) für die Gewinnrendite:

Gewinnrendite = 1 / KGV

oder

Gewinnrendite = Gewinn pro Jahr je Aktie / aktueller Kurs

In obigem Beispiel kommen wir auf 0,0625 - was (mit 100 multipliziert) 6,25% ergibt. Das Unternehmen macht also (bezogen auf den aktuellen Aktienkurs) 6,25% Gewinn pro Jahr.

Der Nachteil vom KGV: es bezieht sich auf die Vergangenheit. Gewinne ändern sich ja im Laufe der Zeit. Und hier muss man überlegen: wird es die Firma schaffen, diesen Gewinn weiterhin zu wirtschaften oder sogar noch zu steigern?

Denn auch wenn eine Firma ein günstiges KGV aufweist - vielleicht ist dies ja nur deswegen, weil die Firma schwierigen Zeiten entgegen blickt und viele Anleger bereits aus der Aktie geflüchtet sind. Und deswegen der Kurs so günstig ist.

Umgekehrt könnte ein hohes KGV (= die Aktie ist teuer) bedeuten, dass die Anleger momentan noch keine großartigen Gewinne erwarten - sondern erst später. Dies war bei Amazon jahrelang der Fall. Die Investoren haben sich damit abgefunden, dass nur kleine Gewinne (oder sogar Verluste gemacht werden). Hauptsache es wird in die Zukunft investiert. Zahltag ist dann später.

Somit kann man sich nicht auf das KGV alleine verlassen, um einen Eindruck vom Unternehmen zu bekommen.

Buchwert

Der Buchwert (pro Aktie) ist der Wert der Firma, wie er in den Büchern (der Buchhaltung) steht. Angenommen, man würde eine Firma liquidieren. Einfach den Laden zu machen, alles verkaufen (Inventar, Lager, Maschinen, Gebäude) und alle Kredite zurückzahlen. Und dann das verbleibende Geld den Aktionären auszahlen. Dieser Betrag entspricht dann dem Buchwert - natürlich nur dann, wenn man die Preise genau so bekommt, wie dies in der Bilanz angesetzt sind.

Nun kann man den Buchwert (pro Aktie) ganz einfach mit dem aktuellen Kurs vergleichen. Liegt der Buchwert bei 100 Euro und der Aktienkurs bei nur 80 - dann ist die Firma günstig bewertet. Umgekehrt: ist der Kurs höher als der Buchwert, dann bekommt man weniger Aktien für sein Geld.

In der Praxis ist es relativ selten, dass der Buchwert höher ist als der Aktienkurs. Weil es an der Börse i.d.R. ja nicht darum geht, den Laden zu schließen und das Geld auszuzahlen. Im Regelfall geht es darum, dass die Investoren Geld verdienen wollen, indem die Unternehmen gut wirtschaften und wachsen. Und die Gewinne der Unternehmen sind es, die zählen.

weitere Kennzahlen

Es gibt noch weitere Kennzahlen, z.B. das Shiller-KGV, den Verschuldungsgrad oder die Dividendenrendite. Aber wie gesagt, das ist eine längere Geschichte, die ich gerne ein andermal erzähle...

Die Zukunft

Kennzahlen zu betrachten - das bezieht sich immer auf die Vergangenheit (maximal auf die Gegenwart). Und weil sich alles ändert (das Kaufverhalten von Kunden, die politische Situation, neue Wettbewerber usw.), kann man nicht sicher sein, ob das alles so bleibt, wie es war.

Und deswegen sollte man sich auch Gedanken um die Zukunft des Unternehmens machen:

  • In welcher Branche ist das Unternehmen tätig? Wie sind die Aussichten dieser Branche?
  • Hat das Unternehmen einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten?
  • Führt das Unternehmen Rückzugsgefechte oder kommt es der Nachfrage nicht hinterher?
  • Tätigt es Investitionen, die sich später evtl. auszahlen könnten?

Tipp #5: Depot absichern

Bei diesem Tipp habe ich mir lange überlegt, ob ich diesen hier aufführen soll.

Denn wir sprechen jetzt über Optionsscheine. Und damit kann man sein ganzes Geld verlieren. Man kann diese aber auch klug einsetzen um sein Depot abzusichern. Aber auch das ist wiederum ein komplexes Thema, das ich hier nur streifen werde.

Für den Anfänger gilt: Finger weg!

Verkaufs-Optionsscheine

Im Folgenden spreche ich nur über eine ganz spezielle Art von Optionsscheine. Nämlich von Verkaufs-Optionsscheinen (auch "Put" genannt). Diese können zur Absicherung benutzt werden.

Das Ganze funktioniert in etwa so: Du kaufst einen Optionsschein, der dir z.B. das Recht gibt,

  • eine bestimmte Aktie
  • zu einem bestimmten Preis
  • innerhalb eines bestimmten Zeitraumes oder
  • zu einem bestimmten Zeitpunkt
verkaufen zu können. Entscheidend ist hier der Preis, der vereinbart wird. Deshalb würdest du den Optionsschein kaufen.

Egal wie tief der Kurs der Aktie sinkt, du hättest trotzdem das Recht, die Aktie zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Für dieses Recht hast du bezahlt, als du den Optionsschein gekauft hast.

Und damit hast du also Geld bezahlt, damit du dein Risiko ausgeschaltet (oder gesenkt) hast. Dieses Geld ist nach der Ausübungsfrist natürlich weg (so wie die Versichungsbeiträge zu deiner Kfz-Versicherung ja auch weg sind, wenn du keinen Unfall hast). Wenn die Aktie also steigen sollte, dann ist der Kaufpreis vom Optionsschein weg.

Also, wie gesagt: Optionsscheine können sinnvoll eingesetzt werden, wenn man weiß, was man tut. Für Anfänger rate ich: Finger weg. Diese kurze Erläuterung ist viel zu wenig, um in diesem Bereich mitspielen zu können.

Tipp #6: In einen Aktienfonds investieren

Ich geb's ja zu: die letzten zwei Tipps waren nicht so ganz einfach für den Laien. Und diese sind auch nur mit erheblichem Zeit- bzw. Geldeinsatz zu realisieren.

Und deswegen hier noch der letzte Tipp, was die Sache sehr viel einfacher macht:

Investiere in einen Aktienfonds und lass die Profis die ganze Arbeit machen.

Was ist ein Fonds?

Ganz einfach: Es handelt sich quasi um einen großen Topf, in den viele Anleger einzahlen. Mit diesem Geld kauft der Fondsmanager dann viele verschiedene Aktien.

Aktienfonds

Damit kannst du also alle bisher besprochene Punkte ganz einfach umsetzen:

  • Du kaufst regelmäßig Anteile eines Aktienfonds.
  • Der Fondsmanager kauft Aktien verschiedener Unternehmen
  • Der Fondsmanager analysiert die Unternehmen
  • Der Fondsmanager sichert das Depot ab, wenn er es für nötig hält.
Klingt gut? Ist es auch - aber (ja, es gibt ein dickes "aber") der Fondsmanager macht das nicht aus Mildtätigkeit.

Bei Aktienfonds existieren zwei Arten von Gebühren:

  • Der Ausgabeaufschlag: Dies ist eine Gebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen fällig wird. Diese Gebühr kann gerne auch mal bei 4% liegen. Und dieser Aufschlag muss ja auch erstmal wieder reingeholt werden. Bei vielen Banken kannst du ausgewählte Fonds kaufen, bei denen kein Ausgabeaufschlag anfällt.
  • Die Managementgebühr: Diese Gebühr, die i.d.R. zwischen 1,5 und 2 % liegt, wird jährlich berechnet und vom Fondsvermögen abgezogen. Auf die Jahre gerechnet kommt hier einiges zusammen. Aber nehmen wir mal an, der Manager erzielt 3% mehr als du es gekonnt hättest, dann ist es doch ein prima Geschäft. Zumal du keine Arbeit hast.

Indexfonds

Als Alternative gibt es noch Indexfonds. Diese werden oft auch ETF genannt (was "Exchange Traded Fund" bedeutet). Oft ist dies korrekt, es könnten aber auch ganz normale Aktienfonds "exchange traded" sein.

Was ist ein Indexfonds?

Es handelt sich ebenfalls um einen Aktienfonds. Allerdings kauft der Fondsmanager einfach nur blind die Aktien, die in dem jeweiligen Index enthalten sind. Bei einem DAX-Indexfonds bildet der Fondsmanager also den DAX nach und kauft somit die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften und zwar zu den Anteilen, wie sie auch im DAX gewichtet sind.

Der Vorteil: Die Management-Gebühr ist deutlich niedriger als bei einem klassischen Aktienfonds, oft sogar unter 0,2% pro Jahr. Der Nachteil: es wird einfach blind der zugrunde liegende Index nachgebildet.

Geldanlage ohne Risiko?

Gibt es überhaupt eine Geldanlage ohne Risiko? Hier eine kurze Betrachtung von vermeintlich sicheren Anlagen:
  • Geld: egal ob auf der Bank (wo es fast keine Zinsen mehr gibt) oder unterm Kopfkissen. Kommt eine Inflation, dann hast du zwar noch dein Geld, aber es ist halt nichts mehr wert.
  • Immobilien: waren in den letzten Jahrzehnten eine sehr sichere, solide Anlage. Was aber, wenn die Bevölkerung zurückgeht und es einen Crash am Immobilienmarkt gibt. Oder im Kriegsfalle wird dir dein Haus unterm Hintern weggebombt. Oder wenn nicht - vielleicht brummt dir der Staat dann eine Zangshypothek auf, die du dann jahrelang abstottern darfst.
  • Gold: wird oft als sicherer Hafen angepriesen. Aber auch der Goldpreis unterliegt Schwankungen. Und im Extremfall (bei einer Hungersnot) will dein Gold eh niemand mehr haben.
Mit anderen Worten: Absolute Sicherheit gibt es einfach nicht. Auch nicht mit Aktien. Aber mit ein paar einfachen Mitteln kann man das Risiko enorm senken.

Meine Meinung: Vor Aktien braucht man keine Angst zu haben.

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