Ist Lotto eine Dummensteuer?

Lottoschein
Nur wer mitspielt, kann verlieren - und das ist mehr, als man denkt. Ich habe mich der Sache mal angenommen und bis ins letzte Detail durchgerechnet.

Zwischen 6 und 8 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für Toto und Lotto aus. Nochmals 2 Milliarden gehen in die Klassen- und Fernsehlotterien sowie ins Gewinnsparen.

Geworben wird mit glücklichen Menschen, die den großen Reibach machen. Die Realität: Bei Lotto werden beispielsweise nur 50% der eingezahlten Beträge wieder an die Gewinner ausgezahlt. Meiner Ansicht nach also ein extrem schlechtes Geschäft. Aber es ist sogar noch schlimmer. Zusätzlich bezahlt man pro Schein noch eine Bearbeitungsgebühr, die ebenfalls nicht ausgeschüttet wird.

Fangen wir mal ganz von vorne an.

Wie funktioniert eine Lotterie?

Eine Lotterie funktioniert praktisch immer nach dem gleichen Prinzip: Ganz viele Menschen zahlen Geld in einen Topf ein. Der Betreiber nimmt sich einen erklecklichen Anteil davon raus (für seine Kosten und für seinen Gewinn) und der Rest wird wieder an wenige Gewinner verteilt.

Lotterie

Es liegt also in der Natur der Sache, dass es wenige glückliche Gewinner gibt und ganz viele Verlierer, die dann ganz tapfer sagen: "Beim nächsten Mal wird's bestimmt was. Irgendwann muss es doch mal klappen".

Aber rein mathematisch funktioniert das eben nicht.

Auf den ersten Blick sehen die Chancen einer Lotterie vielleicht verlockend aus. Man müsse nur einen kleinen Betrag einzahlen und kann dann einen großen absahnen. Erstaunlich, wie viele auf diese Illusion hereinfallen...

Rechnen wir das Ganze doch mal beim Lotto durch (6 aus 49)

Man kann von 49 Zahlen sechs Stück ankreuzen. Dann werden sechs Zahlen gezogen und man vergleicht, wie viele davon man richtig getippt hat. Ab drei richtigen zählt man zum Kreis der Gewinner. Wie wahrscheinlich ist es also, dass man "3 Richtige" hat?

Die Chance auf 3 Richtige liegt bei 1,56%

Mit anderen Worten: Man muss 64 mal spielen, damit ein einziges Mal 3 Richtige hat! 64 Mal! In Worten: Vierundsechzig Mal. Man hat also 64 Euro verheizt, damit man einmal einen kleinen Gewinn einstreicht.

Aber gut, es gibt ja noch andere Gewinnklassen: 2 Richtige mit Superzahl, 3 Richtige mit Superzahl, 4 Richtige usw.

Die Superzahl

Alleine die Bezeichnung "Superzahl" ist ein Lehrstück, wie man geschicktes Marketing betreibt. Super an der Superzahl ist nämlich, dass man damit eine Gewinnklasse erreichen kann, die 10 x schwerer zu erreichen ist als die Gewinnklasse ohne Superzahl. Für den Betreiber, der 50% einhält natürlich eine super Sache...

In der Summe liegt die Chance, dass man etwas gewinnt bei schlappen 3,125%. Was bedeutet, dass man statistisch gesehen bei jedem 32. Spiel etwas gewinnt.

Natürlich hofft man auf den Hauptgewinn. Aber leider muss ich dich enttäuschen. Daraus wird leider nichts. Wirklich, ich meine das ernst.

Für den Hauptgewinn, nämlich 6 Richtige plus Superzahl musst du fast 140 Millionen mal spielen. Wenn du jede Woche 10 Kästchen spielst, dann brauchst du 14 Millionen Wochen. Dies entspricht 269230 Jahre. Wenn du 60 Jahre lang spielen würdest, dann müsstest du fast 4500 mal leben, bis du rein statistisch gesehen einmal den Jackpot abräumst.

Hier habe ich die Wahrscheinlichkeit mal grafisch dargestellt - bei den interessanten Gewinnklassen ist die Wahrscheinlichkeit so gering, dass noch nicht mal ein Balken mehr dargestellt werden kann:

GewinnklasseWahrscheinlichkeit in %
Kein Gewinn
96,875
6 Richtige + SZ
0,000
6 Richtige
0,000
5 Richtige + SZ
0,000
5 Richtige
0,002
4 Richtige + SZ
0,010
4 Richtige
0,087
3 Richtige + SZ
0,177
3 Richtige
1,560
2 Richtige + SZ
1,310
Gesamt
3,125

Aber es gibt doch Menschen, die haben nur einmal mitgespielt und dann gleich gewonnen...
Das hört man immer wieder. Ob das tatsächlich stimmt oder ob dies einfach nur ein gestreutes Gerücht ist - ganz egal. Wenn ein paar Millionen Deutsche jede Woche etliche Millionen von Zahlenreihen tippen, dann gibt es darunter natürlich immer wieder Gewinner. Das ist Statistik. Und wenn jemand gewinnt, bevor er 140 Millionen mal mitgespielt hat, dann gibt es auf der anderen Seite auch welche, die öfters als 140 Millionen mal spielen müssten, bevor sie gewinnen. Also gibt es Millionen von Menschen, die niemals in ihrem Leben einen großen Gewinn einstreichen.

Der moralische Aspekt

Normalerweise beurteile ich hier auf dieser Website die Dinge nicht von der moralischen Seite. Das muss jeder selber überlegen. Aber der hier liegt mir einfach auf der Zunge:

Bei einer Lotterie gibt es immer zwei Möglichkeiten:

  • Man verliert: dann war man schön blöd, dass man sein Geld eingesetzt hat.
  • Man gewinnt: dann hat man mit der Blödheit von anderen Geld gemacht. Auch nicht besser...

Das Marketing

Auf dem Papier möchte der Staat die Bürger vor dem Glücksspiel schützen - wie viele haben sich schon mit Glücksspielen um Haus und Hof gebracht. Doch auf der anderen Seite sind Glücksspiele eine hervorragende Einnahmequelle für den Staat - wie gesagt: 50% der Einnahmen werden einbehalten. Das sind mal eben drei bis vier Milliarden Euro jedes Jahr. Fröhlich eingezahlt von Menschen, die sich ansonsten über die hohe Steuerbelastung beschweren.

In der Werbung ist natürlich nicht groß die Rede davon, wie schwer es ist, etwas zu gewinnen. Oder dass nur 50 % überhaupt ausgeschüttet werden. Nein, es werden glückliche Menschen gezeigt und Dinge, die man sich leisten könnte, wenn man denn gewinnen würde. Es werden Illusionen erzeugt, die mit der Realität nichts gemein haben.

Aber es geht noch weiter. Die Lottozahlen werden jede Woche zur besten Sendezeit in der Tagesschau vorgelesen. Das suggeriert eine gewisse Seriösität. Und zack, schon wieder eine Hürde entfernt.

Dann gibt es noch Lotterien, die damit werben, dass sie das einbehaltene Geld für einen guten Zweck ausgeben. Also, da sitzt das schwer verdientes Geld doch gleich lockerer. Aber mal im Ernst: wenn man sich für eine gute Sache einsetzen möchte, kann man das Geld doch einfach direkt spenden, damit es ohne Umwege dort ankommt, oder?

Unterm Strich appelliert jedes Glücksspiel an niedere Instinkte, an die Raffgier. Und ohne, dass man's merkt, wird man abgezockt.

Tippgemeinschaften

Dann gibt es noch ganz schlaue Firmen, die das Spielen in Tippgemeinschaften anbieten. Hier ist es so, dass man nicht direkt Lotto spielt, sondern so: Man gibt sein Geld einer Firma und diese spielt damit dann Lotto.

Warum sich das angeblich rentieren soll? Die Firma, die hinter der Tippgemeinschaft steht, sagt, dass sie Zahlenreihen tippt, die selten von Lottospielern getippt werden. Dies soll die Ausschüttungsquoten erhöhen, da man sich den Gewinn dann mit weniger Gewinnern teilen muss.

Doch leider kann man dies nicht nachprüfen: Ob die Zahlenreihen wirklich seltener getippt werden. Und auch nicht, ob die Gewinne tatsächlich höher sind - und wenn ja, um wie viel. Und dann kommt natürlich auch noch der Aspekt ins Spiel, dass die Firma ja auch einen Verwaltungsaufwand hat. Und Werbungskosten. Und Gewinn machen möchte. Dies muss der Kunde ja auch bezahlen.

Unterm Strich kann man mit Lotto einfach keinen Gewinn machen.

Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Denn die Lottogeschellschaften machen sehr wohl Gewinn...

Meine Meinung

Finger weg vom Glücksspiel-Dreck. Dies lohnt sich nur für den Betreiber. Behalte dein Geld und mach was Sinnvolles damit. Kaufe meinetwegen Aktien damit. Hier sind die Chancen, Geld zu verdienen deutlich höher. Oder investiere es in dein Hobby (am besten eines, das dir hilft Geld zu sparen).

Ist Lotto also eine Dummensteuer? Ich halte mich raus - urteile selbst!

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