Aktien: das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Woran erkennt man nun, ob eine Aktie billig oder überteuert ist?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis: KGV

Der Kurs einer Aktie alleine sagt überhaupt nichts darüber aus, ob eine Aktie günstig ist. Eine Aktie für 50 Euro kann teurer sein, als eine Aktie, die 100 Euro kostet.

Auch der Gewinn eines Unternehmens alleine sagt nichts darüber aus, ob der Aktienkurs günstig oder teuer ist. Die Frage ist ja immer, wie viel Gewinn denn auf eine einzelne Aktie entfällt.

Damit kommen wir der Sache schon näher: Wir müssen den Aktienkurs ins Verhältnis setzen mit dem Gewinn, der pro Aktie erziehlt wird. Somit ist es kein Wunder, dass wir folgende Formel erhalten:

KGV = Kurs : Gewinn pro Aktie


Sagen wir, die SuperDuper AG macht einen Gewinn von 8 Euro pro Aktie bei einem Kurs von 100 Euro. Dann kommen wir nach Adam Ries(e) auf ein KGV von 12,5 (also 100 geteilt durch 8).

Schön und gut - aber was sagt diese Zahl denn nun aus?

Nehmen wir an, der Kurs der SuperDuper AG würde bei 200 Euro liegen - eine Aktie würde also doppelt so viel kosten. Und der Gewinn pro Aktie ist nach wie vor 8 Euro. Was passiert nun mit dem KGV?

200 : 8 = 25


Nun liegt das KGV bei 25. Es ist also höher - doppelt so hoch. Klar, man zahlt ja auch das doppelte für eine Aktie. Im Durchschnitt (!) bewegt sich das KGV so zwischen 10 und 20 - aber auch höhere Werte sind nicht selten. Der DAX-Durchschnitt schwankte in der Vergangenheit zwischen ca. 7 und 34.

Merke: Je höher das KGV, umso teurer ist eine Aktie. Je niedriger das KGV, umso billiger ist eine Aktie

Also im Grunde alles extrem easy. Wenn man in der Grundschule bei "geteilt durch" aufgepasst hat...

Doch Vorsicht!

Nun ja, ganz so einfach ist es auch wieder nicht...

Schließlich kann es gute Gründe haben, warum eine Aktie so billig ist. Ist der Kurs vielleicht eingebrochen, weil eine Gewinn-Warnung herausgegeben wurde? Der Kurs ist dann vielleicht drastisch gesunken, aber die Gewinne in der Vergangenheit waren noch hoch und erst in den nächsten Wochen/Monaten werden die neuen Zahlen bekanntgegeben.

Außerdem sind in den Gewinnen eines Unternehmens oftmals Sonder-Effekte enthalten:

  • Vielleicht hat das Unternehmen einen lukrativen Geschäftsbereich veräußert und damit einen außerordentlichen Gewinn erzielt. Damit ist der letzte Gewinn vielleicht höher ausgefallen als aufgrund des laufenden Geschäfts. Und im laufenden Geschäft wird künftig weniger Gewinn erwartet, weil der lukrative Geschäftsbereich ja weg ist.
  • Vielleicht musste das Unternehmen einen Geschäftsbereich abschreiben, weil dieser nur Verluste produzierte und nun geschlossen wird. Dies belastet den Gewinn für den Moment, kann sich aber in der Zukunft positiv auswirken, da der Verlustbringer nun abgestoßen wurde.
  • Das Unternehmen befindet sich vielleicht im Niedergang. Es werden zwar noch ordentliche Gewinne pro Aktie erzielt. Aber diese sinken nun schon seit Jahren, wie auch der Aktienkurs. Und es ist kein Ende absehbar.

Man sieht also, dass man sich auch die Finger verbrennen kann, wenn man nur auf das KGV schielt.

Hier zwei ganz unterschiedliche Beispiele:

Amazon macht bei einem Aktienkurs von 1756$ einen Gewinn pro Aktie von 20,14$. Damit kommen wir auf ein sehr hohes KGV von 87,2. Also ist die Aktie teuer. Nun, das KGV von Amazon war schon immer sehr hoch. Das lag daran, dass Amazon stets jeden Cent investierte, um zu wachsen - auch, wenn dies oftmals Verluste und geringe Gewinne bedeutete. Nun, aus heutiger Sicht ist das wohl gelungen. Amazon ist heute ein extrem großer Konzern (während die Platzhirschen im Versandhandel (Quelle, Neckermann & Co.) heute nicht mehr existieren). Und der Aktienkurs hat sich ebenfalls gut entwickelt. Seit 2001 (nach dem Platzen der Dotcom-Blase) hätte man sein Geld mit Amazon ver-200-fachen können. Ob Amazon heute immer noch ein guter Kauf ist? Ich kann's nicht sagen. Der Markt traut Amazon noch mehr Gewinne zu. Daher sind die Investoren im Schnitt bereit, das 87-fache des Gewinns für eine Aktie zu bezahlen.
Volkswagen hat ein sehr niedriges KGV von 7,6 (Kurs: 180€, Gewinn: 23,59€). Also praktisch ein Schnäppchen. Oder doch nicht? Auch hier spielt die Einschätzung der Investoren eine Rolle. Das ganze Umfeld ist ja momentan so ausgerichtet, dass die Hersteller praktisch gezwungen sind, in die Elektromobilität zu investieren. Das ist natürlich mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Wird es VW so wie Nokia ergehen? Nokia war Marktführer im Handy-Bereich - bis Apple das iPhone vorstellte. Und wo ist Nokia heute? Wie wird es VW ergehen? Genauso? Oder werden sie es schaffen weiterhin hohe Marktanteile zu erzielen (mit einer hohen Gewinnspanne)? Fragen über Fragen.

Also mit anderen Worten: Die Einschätzung der Zukunft spielt eine erhebliche Rolle. Deshalb sollte man eine Kauf-Entscheidung niemals alleine nur anhand des KGV treffen.

Newsletter

  • Wie man Zeit und Geld spart.
  • Wie man Geld lukrativ anlegt.
  • Leckere Gerichte - einfach, günstig und gut.
  • und vieles mehr...

Häufig gelesen

  • CO2-Gasflasche mit Zylinder
    CO2-Zylinder selbst befüllen [Anleitung]

    Die ultimative Anleitung, wie man CO2-Zylinder für Wassersprudler (wie z.B. SodaStream) selbst mittels einer Gasflasche befüllt. Überblick, Anleitung und Bezugsquellen.

  • Pflanze auf Münzen
    Aktien: die Dividenden-Rendite

    Viele Aktiengesellschaften schütten in schöner Regelmäßigkeit Gewinnanteile aus. Die Dividendenrendite zeigt dir, welche Aktien sich besonders lohnen.

  • schlafender Löwe
    Entspannungsmethoden, die nichts kosten

    Stress gehört zum Leben. Doch man muss nicht teure Wellness-Anwendungen buchen, um sich zu entspannen zu können. Ganz im Gegenteil.

  • Kein Bild vorhanden
    Negativzinsen - was tun?

    Die Zinsen gehen immer weiter in den Keller - und eine Wende ist nicht in Sicht. Welche Optionen hat man nun als Anleger?

  • DAX 1988 - 2019
    Keine Angst vor Aktien: Das Risiko senken

    Aktien? Viel zu unsicher... So denken viele. Man kann ja mit Aktien auch Geld verlieren. Deshalb zeige ich, wie man das Risiko auf einfache Weise senken kann.

Navigation

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Artikel: